Pop deutschsprachig
35 - 06159913
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Back In Blech

Merkliste
Zusammenfassung

Der Albumtitel Back In Blech ist eigentlich ein widersprüchlicher. Zurück setzt ein weg voraus, in Blech macht glauben, die Blassportgruppe habe vorher nur mit Bratsche, Akkordeon und Tamburin aufgespielt. Das hat sie natürlich nicht, dazu hätte sie anders heißen müssen. Wirklich weg waren die 10 Herren auch nicht, wenngleich eine Schaffenspause doch genommen und auch genutzt wurde – und wie man lesen kann, ohne noch gehört zu haben, zur Entwicklung: Back in Blech ist schon dem Namen nach eine Hommage an das erfolgreichste Hardrockalbum der Musikgeschichte, Back in Black von AC/DC mit über 49 Millionen Plattenverkäufen. Ein großes Vorbild also, unerreichbar will man meinen, mit 1. deutschen Texten, 2. Jazzmusikern und 3. Blasinstrumenten. Natürlich ging es bei der Namensgebung wohl nicht um einen Vergleich in kommerzieller Hinsicht, sondern um inhaltliche Orientierung - Back in Blech bietet Rockmusik -, aber die Auseinandersetzung mit dem, was heutzutage auf der einen Seite sein muss und auf der anderen keinesfalls sein darf, um im Musikgeschäft Popularität zu erlangen oder zumindest im Radio gespielt zu werden, ist schon ein Kernthema der Platte – und für die Band, schließlich gehört der Kampf mit Konventionen zu ihrem täglich Brot zwischen Musikverkäufen und Bookings.

Für wen das hier vorliegende vierte Album der BSG das erste sein und wer an der Qualität und Ernsthaftigkeit von Blas-Rock zweifeln sollte, der sei beruhigt. Es handelt sich um keine Bierzelt-Parodie von Deep Purple, sondern um echten Rock [Synonym wäre besser], bei dessen Grundpfeilern man keine Kompromisse eingeht: Geh-Bass (Sousaphon) statt E-Bass bedeutet keine Reduzierung und ein tragbares Schlagzeug macht eher mehr Druck als ein stehendes. Darüber hinaus bietet die aktuelle Platte im Vergleich zu früheren Werken weniger Jazz, dafür harmonische Songauthentizität – die alte Formel Weniger ist Mehr – und gewinnt durch diese Schnörkellosigkeit und Originalität noch mehr Kraft. Das macht Sinn: Rock ist halt kein (Bebop-)Rückraumdribbling, sondern Powerplay.