Latin Jazz
35 - 06159988
Latin Jazz
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Iyabo

Merkliste
Zusammenfassung

Als Juan Tizol 1937 "Caravan" für Duke Ellingtons Orchester schrieb, da erlebte die Musikwelt die Geburt einer neuen Stilrichtung. Der Posaunist hatte in dem mittlerweile legendären Titel erstmals Swing-Sounds mit einem lateinamerikanischen Rhythmus zum Cuban Jazz verknüpft. Seither ist die rhythmusbetonte Spielart aus dem Jazzbereich nicht mehr wegzudenken. Immer wieder haben Künstler die Stilvariante mit neuen Ideen vorangetrieben, man erinnere sich nur an Dizzy Gillespies Platten aus den späten vierziger Jahren, die Welthits "Dance Mania" von Tito Puente und "Latin Concert" von Cal Tjader (beide 1958), Mongo Santamarias "Watermelon Man" (1963) oder auch die Arbeiten der Irakere-Mitglieder Chucho Valdes, Arturo Sandoval und Paquito d'Rivera.

Auf "Iyabó" lernen wir nun den aktuellen Entwicklungsstand des Cuban Jazz kennen. Julio Barreto und sein Quartett führen hier die Musikgattung mit zeitgemäßen Mitteln konsequent fort. Voller Entdeckergeist stoßen die beteiligten Künstler in bislang unbekannte Territorien vor und erschaffen in Eigenkompositionen wie "Latineo" oder auch "Spider String" neuartige Klangkombinationen zwischen Latin-Groove und Fusionjazz. Zu den Highlights der CD gehören aber auch drei Fremdtitel, die einfallsreich bearbeitet wurden: John Coltranes "Count Down", Charlie Parkers "Donna Lee" und "Third Stone From The Sun" von Jimi Hendrix erschallen hier als mitreißende Cuban-Jazz-Nummern.

In Barretos Quartett haben sich kubanische Instrumentalisten zusammengetan, die es allesamt von der Zucker- und Tabakinsel nach Europa verschlug. Perkussionist und Schlagzeuger Julio Barreto hat in der Schweiz seine Zelte aufgeschlagen. Trompeter und Keyboarder Carlos Puig lebt auf Teneriffa. Gitarrist Dany Martinez ist inzwischen in Italien zu Hause. Und Bassmann Manual Orza, der den Sechssaiter bereits für den weltweit umjubelten José Feliciano zupfte, hat sich ebenfalls auf der Stiefelhalbinsel niedergelassen. Zu den vier Wahleuropäern gesellt sich für die CD- Produktion der amerikanische Tenor- und Sopransaxophonist Ravi Coltrane. Der Sohn des unvergessenen Jazzer-Ehepaares Alice und John Coltrane schwärmte nach den Aufnahmen zu "Iyabó": "Das ist tolle Musik mit einer großen Zukunft, das ist die perfekte Mischung aus afro-kubanischer Musik, Wayne Shorter, Joe Zawinul und Bebop."

Mit der Premiere als Bandleader erreicht Julio Cesar Barreto Penié (so der vollständige Name) den Zenit seines bisherigen Schaffens. Der 1967 in Guanabacoa/La Habana geborene Kubaner kann hier die reichlich gesammelten Erfahrungen seiner langjährigen Karriere voll ausspielen und in einer eigenständigen Cuban-Jazz-Schöpfung zusammenfassen. Barretos Musikerlaufbahn begann bereits im Kindesalter. Schon mit sieben Jahren wurde er von seinen Geschwistern an die Folklore seiner Heimat herangeführt, außerdem förderten ihn die Onkels Justo Barreto Rodrigues (Pianist von Louis Armstrong) und Alberto Barreto (Komponist von Benny Moré). Mit zwölf trat Julio erstmals im privaten und öffentlichen Rahmen auf. 1983 startete er ein Musikstudium, das er- obwohl normalerweise 9 Jahre dafür benötigt werden- sechs Jahre später als Absolvent der Akademie "Amadeo Roldan" abschloß. Anfang der 90er Jahre folgten Tourneen bzw. Studiotermine mit Laurindo Almeida, Gonzalo Rubalcaba, David Sanchez, Chucho Valdes, Steve Coleman, Roy Hargrove, Ron Carter, Charlie Haden, Miroslav Vitous, Buster Williams und John Patitucci.1997 gründete Julio Barreto sein Quartett, mit dem er jetzt die erste Veröffentlichung unter eigenem Namen vorlegt. Der Kubaner präsentiert sich hier als visionärer Neuerer, der dennoch fest in der Tradition verwurzelt ist. So lange es solch wegweisende Innovatoren gibt, muß einem um den Fortbestand des Cuban Jazz auch im nächsten Millennium nicht bang sein.

Titel
  • Latineo
  • Spider Springs
  • Cantar Bueno
  • Coming Home Baby
  • Count Down
  • Lulla Baby
  • X-Bono
  • Iyabo
  • Donna Lee
  • Third Stone Fromthe Sun